Stärkung der natürlichen Verdauung bei Verstopfung

Verstopfungskoliken auf natürliche Weise vorbeugen

Verstopfungen bei Pferden führen schnell zu einer Kolik (Verstopfungskolik). Zu einer Verstopfung kommt es beim Pferd meist, wenn mehrere Faktoren zusammen kommen: 1.) Zu schnelles Fressen von Futter mit hohem Rohfaseranteil (z.B. frisches Stroh), 2.) zu wenig trinken, 3.) zu wenig Bewegung und 4.) einer zu schwachen Verdauungsleistung. Wie Sie die ersten drei Faktoren ausschalten können, lesen Sie im Textfeld unter den Produkten. Für den vierten Punkt finden Sie hier Naturprodukte, welche die natürliche Verdauungsleistung Ihres Pferdes stärken können.
Verstopfung

Verstopfung beim Pferd kann lebensgefährlich sein. Denn schnell gipfelt die Verstopfung des Pferdes in einer Kolik. Wenn dann noch Magen-Darm-Verschlingungen auftreten, wird es wirklich heikel. Besser ist es also, bei Pferden, die zu Verstopfung neigen, vorzubeugen und bei bereits vorhandener Verstopfung schnell gegenzusteuern.

Um die Ursachen einer Verstopfung bzw. Verstopfungskolik beim Pferd auszuhebeln bzw. wenn Sie einer Verstopfung Ihres Pferdes vorbeugen wollen, sind folgende Maßnahmen sinnvoll.

Maßnahmen zur Vorbeugung von Verstopfung beim Pferd:

  • Kein „leckeres“ Einstreu verwenden
  • Heu aus engmaschigen Heunetzen (für mind. 20 h Heu am Tag), getaucht
  • Wasserbottich zusätzlich zur Selbsttränke
  • Viel Bewegung (mind. 6 h / Tag)

Einstreu bei Neigung zu Verstopfungskoliken:

Stroh stopft aufgrund seines hohen Rohfasergehalts besonders. Wenn Sie also ein Pferd haben, dass zu Verstopfungskoliken neigt, sollten Sie ein nicht fressbares Einstreu verwenden.

Einsatz von Heunetzen zur Verstopfungs-Vorbeugung:

Da Pferde (besonders solche, die zu Verdauungsstörungen neigen) keine Fresspausen über 4 Stunden haben sollten, ist dann natürlich für entsprechenden Ersatz zu sorgen. Der beste Ersatz ist Heu aus engmaschigen Heunetzen. Denn zum einen imitiert das Zupfen aus den Netzen das Abreißen des Grases in der freien Natur. Zum anderen wird so langsamer gefressen, als wenn das Heu auf dem Boden liegt. Das wiederum hat 3 Vorteile: 1.) Es wird weniger Masse insgesamt aufgenommen, der Verdauungstrakt bleibt aber in Bewegung, 2.) Es wird mehr eingespeichelt, was mehr Flüssigkeit, aber auch mehr basische Stoffe bedeutet, 3.) Es wird besser gekaut (je feiner der Futterbrei, desto kleiner die Verstopfungsgefahr).

Wenn Sie das Heunetz direkt nach dem Befüllen einmal unter Wasser tauchen, führen Sie noch zusätzlich Flüssigkeit hinzu, die einer Verstopfung beim Pferd entgegen wirkt. Die Flüssigkeitsaufnahme können Sie außerdem erhöhen, indem Sie zusätzlich zur Selbsttränke einen Wasserbottich zur Verfügung stehen. Studien haben gezeigt, dass Pferde wesentlich mehr aus stehenden Gewässern trinken als auch Selbsttränken, aus denen sie sich das Wasser erst verfügbar machen müssen.

Bewegung als wichtiger Impuls gegen Verstopfung beim Pferd:

Da die Evolution immer darauf bedacht ist, die Energiereserven des Individuums zu sparen, werden exogene Faktoren mit einbezogen. Will heißen: Da Pferde Pflanzenfresser sind, die sich zur Nahrungsaufnahme 16 h am Tag bewegen, hat die Natur diesen Bewegungsimpuls zur Anregung gewisser Körperfunktionen genutzt. So spart er mehr Energie, als wenn der Körper selbst diese Impulse geben müsste. So werden die Verdauung aber z.B. auch das Lymphsystem, die Versorgung von Sehnen, Bändern und Gelenkschmieren durch Bewegung angeregt und sichergestellt. Dies ist bei der Haltung zu berücksichtigen, besonders, wenn Ihr Pferd zu Verstopfungskoliken tendiert. Richtwert ist ein Minimum von 6 Stunden Bewegung am Tag. Hierzu zählt natürlich nicht nur Reiten, sondern auch Paddock, Weide, Führanlage, Spazieren gehen etc.

Fütterung bei Tendenz zu Verstopfung beim Pferde:

Nun sind die Ursachen für eine Verstopfung beim Pferd (wie bei fast allen Dingen) vielfältig. Es ist nie immer nur ein Auslöser,  sondern eine Kombination aus vielen Auslösern. Wenn wir die oben genannten ausgeschaltet haben, ist in der Behandlung von Verstopfungen beim Pferd auch noch zu bedenken, dass manche Pferde einfach auch eine Verdauungsschwäche haben. Die Verdauung arbeitet dann nicht so stark und intensiv wie sie sollte.  Hier spielt die Wahl der Futtermittel eine große Rolle. Diese sollten vor allem ein gesundes Milieu begünstigen und erhalten. Damit fallen unter anderem aus: Heulage/Silage, Zuckerrüben, Mais, Melasse usw.

Gut zum Füttern bei Pferden, die zu Verstopfungskolik neigen sind z.B.: Äpfel, Apfelsaft, Leinöl, getauchtes Heu, Kräuter, geweichte Leinsamen.

Behandlung bei chronischer Verstopfung beim Pferd:

Pflanzliche oder auch andere Abführmittel zur Behandlung von häufig vorkommenden Verstopfungen bzw. Verstopfungskoliken bei Pferden sind mit großer Vorsicht zu verwenden. Zum einen können die Nebenwirkungen enorm sein, zum anderen gewöhnt sich der Darm an diese Hilfe von außen und das Problem wird immer größer und größer. Darum ist die oben dargestellte Vorbeugung von Verstopfung so wichtig!

Zur Behandlung NICHT geben sollten Sie:

  • Sogenannte Anthranoiddrogen wie Aloe vera, Faulbaumrinde, Sennesblätter, Rhabarberwurzel
    (diese führen nach einiger Zeit zur Verstärkung des Problems und sind sogar alle giftig)
  • Sogenannte Drastika wie Rizinusöl, Koloquinten, Bryonia usw.
    (Gefahr durch hohe Wasserverluste, starke Reizung des Gewebes, große Schmerzen à Auslösung von Koliken)

Pflanzliche Mittel zur Behandlung, die Sie geben können:

  • Bitterpflanzen wie z.B. Enzian, Wermut
  • Anregende Pflanzen wie Anis, Fenchel, Kümmel
  • Scharfe Pflanzen wie z.B. Ingwer (Vorsicht Magen!)
  • Schleimbildende Pflanzen wie Leinsamen, Eibisch & Malve

 

Sonderfall Leinsamen bei Verstopfung von Pferden:

Leinsamen können auf zwei unterschiedliche Weisen genutzt werden: Als Quellstoff oder als Schleimstoff. Wirksam werden die zwei unterschiedlichen Stoffe durch die Unterschiedliche Zubereitung der Leinsamen. Es ist also unbedingt wichtig zu wissen, was welche Zubereitung bewirkt und welches Ergebnis Sie haben möchten:

Leinsamen als Quellmittel bei Pferden:

Leinsamen haben den Vorteil, dass Sie auch über einen längeren Zeitraum verwendet werden können, ohne dass der Darm seine eigenen Anstrengungen einstellt.  Werden die Leinsamen pur mit etwas Wasser gefüttert (nicht eingeweicht!), dann quellen sie im Darm auf. Dies bewirkt einen Dehnungsreiz im Darm, welcher die Peristaltik (also die Darmbewegung) anregt. Vorsicht bei dieser Behandlung von Verstopfungen: Sie darf auf keinen Fall verwendet werden, wenn bereits eine starke Verstopfung da ist. Ist der Darmausgang bereits verstopft (auch aufgrund von Tumoren), können die Leinsamen das Problem verschlimmern und zu ernsthaften Schäden am Darm führen. Sie dürfen also immer nur vorbeugend verwendet werden, wenn sichergestellt ist, dass der Darm frei ist.

Leinsamen als Schleimmittel bei Pferden:

Werden die Leinsamen mind. 1 Stunde in Wasser eingeweicht, treten die sameneigenen Schleimstoffe aus. Diese helfen bei säurebedingten Verdauungsbeschwerden und Problemen der Magen- und Darmschleimhäute. Der Schleim hilft auch bei der Verdauung, allerdings nicht so stark wie bei der Zubereitung als Quellmittel.

Bei beiden Zubereitungsformen ist zu bedenken, dass die enthaltenen Schleimstoffe eine Aufnahme anderer Stoffe (Mineralfutter, Medikamente, Kräuter etc.) verhindern. Diese müssen also immer separat gegeben werden (mind. 2 Stunden später, lieber komplett zu einer anderen Mahlzeit).