Körperliche Voraussetzungen für die Pferdefütterung

Warum Fütterung artgerecht sein muss

Über viele Millionen von Jahren schafft die Natur Lebewesen, die perfekt auf ihre Umweltbedingungen angepasst sind. So auch das Pferd. Es wurde ein Spezialist für ganz bestimmtes Futter. Sein ganzes Verdauungssystem, ja, der ganze Körper entwickelte sich in einer ganz speziellen Art und Weise, um genau dieses Futter verarbeiten zu können. Logisch, dass ein solcher Spezialist Probleme bekommt, wenn er etwas frisst, das nicht zu diesen körperlichen Vorausetzungen passt. Da die Folgen sehr weitreichend für die Gesundheit sind, ist es wichtig, zu verstehen, welche Bedingungen an Futter allein schon der Körper stellt.
Gesetze des Körpers

 

Bedingungen des Pferdekörpers an die Fütterung:

  • Aufschluß vieler Stoffe aus der Nahrung erst im Darm (bei Hunden & Menschen im Magen)
  • Nahezu Dauerproduktion von Magensäure
  • relativ kleiner Magen mit unterschiedlichen ph-Wert-Zonen
  • relativ kurzer Dünndarm
  • langer Dickdarm
  • spezifische Darmflora
  • neutrales ph-Wert-Niveau im Darm

 

Warum ist der Verdauungstrakt genau so geschaffen?

Die Evolution hat das Pferd zu einem Rohfaserspezialisten gemacht. Denn es sollte in der Steppe überleben, in der es viel hartes, langstengeliges Gras gibt, welches einen hohen Zellulose-Anteil aufweist (Rohfaser, Struktur), aber einen sehr geringen Energiegehalt. Aufgrund des geringen Vorkommens an Energie in der Nahrung, musste die Natur einen ganz anderen Verdauungstrakt schaffen, als bei Lebewesen wie z.B. Hunden, Katzen und uns Menschen, die auf energiereiche Nahrung spezailisiert sind.

So braucht der Körper viel länger, um Zellulose aufzuschließen. Darum geschieht dies größtenteils nicht schon im Magen wie bei Fleischfressern, sondern erst im Darm. Darum ist der Darm viel länger als bei Katzen und Hunden, der Magen und Dünndarm aber viel kleiner. Auch die ph-Werte in den unterschiedlichen Verdauungsabschnitten müssen logischerweise dann zum Teil anders sein, ebenso wie die Flora. Da ein Pferd also viel weniger Energie in seiner Nahrung vorfindet als wir, muss es deutlich mehr und länger fressen, um an die Menge an Nährstoffen zu kommen, die es zum Überleben braucht. Darum wird im Magen nahezu dauerhaft Magensäure produziert (bei uns und den Fleischfressern nicht).

Kurz: Pferde sind auf Schwerverdauliches eingestellt! Leichtverdauliche Nahrung mag also bei uns Menschen ein Vorteil sein - beim Pferd ist es eine Katastrophe.

 

Was folgt daraus an Anforderungen an die Fütterung?

Die Fütterung muss die natürlichen Prozesse des Körpers bedienen, sonst wird das Pferd irgendwann krank. Das bedeutet:

  • vor allem rohfaserhaltiges Futter füttern
  • keine Fresspausen (länger als 4 Stunden)
  • idealerweise keine konzentrierten / leicht-verdaulichen Futtermittel
  • keine Futtermittel, welche die ph-Werte und Flora verändern

 

 

photo: hoyou @ stutterstock.com