Schreckgespenst Hufrehe beim Pferd

Ursachen, Behandlung & Prophylaxe

Jedes Jahr wieder sterben viele Pferde an der Krankheit Hufrehe. Am häufigsten handelt es sich hierbei um die sogenannte Futterrehe, deren Ursache meist der Mensch ist. Das ist tragisch, doch birgt diese Information eine große Chance: denn was der Mensch zerstören kann, kann er auch schützen. Und am besten kann er seine Verantwortung als Pferdebesitzer wahrnehmen, wenn er über die Krankheit Hufrehe Wissen sammelt. Hierzu soll dieser Artikel über Hufrehe beitragen. Zu Beginn wird erklärt, was Hufrehe überhaupt ist, woran man sie erkennen und wie es zu dieser schweren Pferdekrankheit kommen kann. Dann widme sich die Verfasserin den Behandlungsmöglichkeiten im akuten und im chronischen Fall. Da Kräuter in die entgleisten Stoffwechselvorgänge bei der Hufrehe eingreifen können, sind diese ein wesentlicher Bestandteil dieser Auswahl – selbstverständlich aber nicht der einzige. Denn je breiter aufgestellt die Unterstützung für das an Hufrehe erkrankte Pferd ist, desto besser. Los geht’s!
Hufrehe
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1.    Hufrehe: Was ist das?


Die Hufrehe heißt unter Veterinärmedizinern „Laminitis“. Bei der Hufrehe ist die Huflederhaut entzündet. Die Huflederhaut ist die Verbindungsschicht zwischen Hornkapsel (der „Schuh“, vergleichbar mit unseren Fingernägeln) und Hufbein (dem Knochen), also der Aufhängeapparat des Hufes. Durch die Entzündung der Verbindungsschicht verliert diese an Festigkeit und „bricht“ auseinander. Dadurch lockert und senkt sich das Hufbein nach unten (Hufbeinsenkung). Da der Knochen aber an einem Punkt an einer Sehne befestigt ist, beginnt sich das Hufbein zu drehen (Hufbeinrotation). Wird dieser Prozess nicht aufgehalten, bricht das Hufbein unten durch die Sohle des Hufs (Hufbeindurchbruch) und die Verbindungsschicht reißt komplett auseinander – dann fällt die Hornkapsel  ab (Ausschuhen).



2.    Wie erkenne ich eine Hufrehe?


Ein klassisches Bild für ein an akuter Hufrehe erkranktes Pferd ist das Folgende. Das Pferd streckt beim Stehen die Vorderbeine nach vorne hinaus, und schiebt die Hinterbeine unter den Körper, um dort die Last aufzunehmen. Doch Hufrehe muss nicht immer genauso aussehen. Sind von der Hufrehe statt der Vorderbeine die Hinterbeine oder gar alle vier Beine betroffen, wird das Pferd eher versuchen, die Hinterbeine abwechselnd zu entlasten oder die Vorderbeine unter den Körper zu schieben. Hellhörig sollten Sie aber schon lange vorher werden: Wenn Sie allgemeine Schmerzsymptome bei Ihrem Pferd bemerken (angespannte Muskulatur, verkrampfte oder schnellere Atmung, Schweiß, hochgezogene Nüstern) sowie Bewegungsunlust, schlechtere Bewegungen auf hartem Untergrund und in Wendungen und/oder einen geschwollenen, warmen Kronrand. Manchmal lässt sich auch an der Hinterseite des Fesselkopfes starkes Pulsieren feststellen, doch das ist nicht immer leicht zu tasten. Mit einer Hufzange, wie sie der Schmied oder der Tierarzt haben, lässt sich leicht feststellen, ob auch die Hufsohle schmerzhaft ist. Was auch immer Sie bei Ihrem Pferd bemerken, und ob es nun Hufrehe ist oder nicht, auf jedenfall sollten Sie sofort und als allererstes den Tierarzt alarmieren. Denn entgegen vieler Tierhaltermeinungen geht die Hufrehe ohne Behandlung und Veränderung der Haltungsbedingungen nicht von allein wieder weg und bedeutet einen höchst gefährliches und sehr schmerzhaftes Geschehen für Ihr Pferd.


3.    Wie kommt es zur Hufrehe?


Wie eingangs schon gesagt ist die häufigste Form der Hufrehe die Futterrehe, die durch falsche Fütterung entsteht. Zwar gibt es auch eine Hufrehe ausgelöst durch eine Geburt, Überlastung oder Vergiftung, bzw. durch eine ungünstige Hufform doch sind diese Arten der Hufrehe im Vergleich zur Futterrehe eher selten – jedenfalls in ihrer Reinform. Hufrehe kann auch eine Folge des sogenannten „Equinen Metabolischen Syndroms“ oder des „Cushing Syndroms“ sein. Doch was fast alle Hufrehe-Formen gemeinsam haben, ist, dass sie alle eine Entgleisung des Stoffwechsels bewirken, die wiederum zu einer Durchblutungsstörung im Bereich der Huflederhaut führt.



Was heißt „falsche Fütterung“?


 „Falsche Fütterung“ als Ursache für Hufrehe besteht dann, wenn das Pferd zu viele leicht verdauliche Kohlenhydrate wie Stärke,  Zucker und Fruktan zu sich nimmt. (Früher wurde Eiweiß als Hufrehe-Auslöser verdächtigt, heute weiß man, dass dies nicht richtig ist.) Die Auslöser der Hufrehe befinden sich besonders im Gras des Frühjahrs und des Herbstes (vereinfacht gesagt!), in Silage, in Getreide, Pferdemüslis, Leckerlis u.s.w. Hier gibt es einen Hufrehe-Teufelskreis: Denn je übergewichtiger ein Pferd ist, desto empfindlicher reagiert es auf diese Auslöser. Wird zum Beispiel ein dickes Pony im Frühjahr auf eine Weide gelassen, auf der auch noch viele andere Artgenossen stehen, kann es sein, dass nur das dicke Pferd an Hufrehe erkrankt und alle anderen gar kein Problem mit den Stoffen haben. Darum Vorsicht mit Pauschalurteilen und der trügerischen Sicherheit, wenn man sich an anderen Pferden orientiert. Oftmals sind einem akuten Hufrehe-Schub bereits einige Jahre falscher Fütterung voran gegangen – ein schleichender Prozess, der leicht zu übersehen ist. Darum: Gras führt nicht automatisch zu Hufrehe. Doch wenn der Stoffwechsel Ihres Pferdes schon gestört ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß. Das liegt an den veränderten Lebensbedingungen unserer Pferde. Früher, als unsere Pferde noch frei waren und auf weiten, kargen Flächen unterwegs waren, gab es noch keine Futterrehe. Denn das Futter wurde sehr langsam zu sich genommen, immer in Verbindung mit viel Bewegung und das Futter war sehr nährstoffarm. Heute ist es umgekehrt: unsere Wiesen sind fett und reichhaltig, die Bewegung dafür sehr eingeschränkt und die Pferde können in kurzer Zeit eine große Masse an Futter zu sich nehmen. Keine idealen Haltungsbedingungen für unser Steppenpferd. Darum sind die meisten unserer Freizeitpferde und –ponys auch leider zu dick, wie Tierärzte mir schon oft bestätigten. Und: je dicker, desto anfälliger für Krankheiten wie das Equine Metabolische Syndrom und Hufrehe.



Wann ist Gras gefährlich?


•    Wenn es kalt ist, oder es Nachtfrost gibt (besonders bei Sonnenschein am Tag!)  
•    Grundsätzlich bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt
•    Wenn es eine lange Trockenheit gibt
•    Wenn die Weiden überweidet und/oder frisch geschnittenen sind
•    Bei Gras in oder vor der Blüte à das gilt auch für den ersten Heu-Schnitt!
•    Wenn sich auf der Weide viel Klee und Weidelgras befinden
•    Wenn zu viel Gras auf einmal gefressen wird (besonders, wenn das Pferd nicht langsam an Gras gewöhnt wurde, z.B. zu Beginn der Weidesaison im Frühjahr)
•    Wenn das Pferd/Pony zu dick ist oder die Gefahr besteht, dass es dick werden kann


Wie sieht es aus mit Silage und Heulage?


Mal davon abgesehen, dass Silage und Heulage für die Pferdezähne nicht mehr ausreichend harte Struktur haben und einige Pferde davon Durchfall und Kotwasser bekommen, sind sie auch in Hinsicht auf Hufrehe nicht ideal. Denn Silage und Heulage kann den Säure-Basen-Haushalt des Magen-Darm-trakts ungünstig verändern und somit zum einen zu Magen-Darm-Problemen aber eben auch zu Stoffwechselveränderungen führen, die wiederum Hufrehe auslösen können. Es ist also besser auf Silage und Heulage zu verzichten und stattdessen lieber staubarmes Heu zu füttern.


Darf ich Kraftfutter geben?


Die Antwort ist so einfach wie radikal: Wenn ihr Pferd kein Hochleistungssportler ist (Rennsport, Springen auf M-S-Niveau, Dressur auf S-Niveau etc.) benötigt es überhaupt kein Kraftfutter. Und wenn Ihr Pferd Hufrehe-gefährdet ist oder gar schon Hufrehe hat DARF Ihr Pferd kein Kraftfutter bekommen. Denn besonders in Getreide, Pferdemüsli und Mash befinden sich schnell verfügbare Kohlenhydrate, Proteine, Zucker, die Hufrehe auslösen können. Zucker- und stärkereiche Futtermittel, die vom Pferd nur schlecht verdaut werden und somit Hufrehe auslösen können, sind außerdem: Roggen,  Mais,  Gerste, Weizen, Melasse, etc.

Woran erkenne ich, das mein Pferd zu dick ist und damit Hufrehe-gefährdet?


Weil es in einer Welt der dicken Pferde schwierig ist, herauszufinden, ob das eigene Tier übergewichtig ist, haben Tiermediziner den „Body Condition Score“ entwickelt, durch den Übergewicht erkennbar wird.  Hiernach können Sie Übergewicht an folgenden Stellen Ihres Pferdes bzw. Ponys erkennen:

  • Der  Mähnenkamm: Der „schicke Hals“ Ihres Pferdes ist nur dann unbedenklich, wenn Sie einen Hengst haben oder Ihr ganzes Pferd stark bemuskelt ist. Bei allen anderen Pferden, also eigentlich allen Freizeitpferden, ist der „schicke“ Mähnenkamm schlicht und ergreifend Fett. auf den Rippen: Wenn die Rippen nicht mehr zu fühlen sind oder durch eine puddingartige, verschiebbare Masse verdeckt sind, ist das Pferd deutlich übergewichtig
  • Die Kruppe: Auf der Kruppe sammelt sich besonders gern Fett an. Streichen Sie einmal drüber. Alles was wabbelt, unförmig ist und sich verschieben lässt, ist Fett. Hier entstehen bei stärker übergewichtigen Pferden manchmal richtige Ringe.
  • Der Schweifansatz: Dort, wo die Rückenlinie in den Schweif übergeht,  sollte nichts anderes sein als Wirbelsäule und Muskulatur. Alles andere gehört dort nicht hin.
  •  Die Sattelgurtlage: Eine besonders häufige Stelle für Fettansammlungen, die auch noch gut zu sehen ist (wenn wir mit uns ehrlich sind): In der Sattelgurtlage und etwas höher, direkt hinter der Schulter des Pferdes. Besonders gut zu sehen, wenn das Bein Richtung Hinterhand steht.
  • Der  Widerrist: Am, rechts und links neben dem Widerrist können auch gelegentlich Fettpolster ertastet werden.
  • Die Rippen: Bei Normalgewicht sind die Rippen leicht fühlbar und mit den Augen zu erahnen (springen sie einem jedoch direkt ins Auge ist das Pferd untergewichtig!). Bei leichtem Übergewicht müssen wir etwas drücken, um die Rippen zu fühlen und bei starkem Übergewicht können wir die Rippen gar nicht mehr fühlen.

Sie haben den Test gemacht und sind sich nicht sicher? Kein Problem: Bestellen Sie eine mobile Pferdewaage, fahren Sie zu einer LKW-Waage, lassen Sie Ihr Tier vermessen oder fragen Sie einen kompetenten Tierarzt.
Ihr Pferd ist übergewichtig, was nun? Bitte informieren Sie sich als allererstes! Denn eine Radikaldiät kann schlimme Auswirkungen auf die Gesundheit Ihres Pferdes haben. Die Diät muss genauestens geplant und ganz vorsichtig vollzogen werden – gleiches gilt für jede Art der Futterumstellung. Darum: erst informieren, dann handeln.



4.    Wie funktioniert die Hufrehe Behandlung


Wie eine Hufrehe behandelt wird, hängt in erster Linie davon ab, ob es sich um eine akute oder eine chronische Form der Hufrehe handelt.
Im Fall einer akuten Hufrehe mit den oben beschriebenen Schmerzzeichen sofort einen auf Pferde spezialisierten Tierarzt verständigen. Während sie auf den Tierarzt warten, sollten Sie die Hufrehe-Hufe unbedingt kühlen. Hierzu am besten die Füße in Eimer mit kaltem Wasser stellen. Wenn das nicht geht Dauerberieselung mit fließendem Wasser. Vermeiden Sie jede Form der Bewegung und entziehen Sie Ihrem Pferd sofort jegliches Fressen. Bereiten Sie Ihrem Hufrehe-Pferd einen Ruhe-Raum, in dem es zwar Sichtkontakt zu Artgenossen hat, aber nicht zu Bewegung gezwungen werden kann. Den Boden legen Sie mit weichem Material aus. Ist der Hufschmied da, fragen Sie ihn nach einem Sohlen-Polster-Verband (der verhindert, dass die Zerstörung der Hufaufhängung durch den Druck des Pferdegewichts nicht noch weiter voran schreitet). Anschließend sollten Sie Ihren Hufschmied informieren. Dieser sollte nun in kurzen Abständen die Hufe leicht nachkorrigieren, damit kein chronischer Hufrehe-Huf entsteht.

 

Sollte ich meinem Pferd  bei Hufrehe Schmerzmittel geben?
Schmerzmittel werden bei Hufrehe sehr kontrovers diskutiert. Die Befürworter führen die Qualen des Pferdes an, die es zu mindern gilt. Die Gegner sind der Meinung,  dass nur der Schmerz wirksam davor schützen kann, dass sich das Pferd zu viel oder falsch bewegt und die Schädigung des Hufes noch weiter voran schreitet. Außerdem haben viele Schmerzmittel erwiesenermaßen zum Teil gravierende Nebenwirkungen, von denen Sie wissen sollten, wenn Sie sich für die Gabe von Schmerzmitteln entscheiden. Doch entscheiden Sie diese Frage nur zusammen mit Ihrem Tierarzt!

Was kann ich noch tun?
Bei einer akuten Hufrehe hat sich laut Aussage vieler Tierheilpraktiker und Tierärzte die Blutegel-Therapie bewährt. Diese kann im Akutfall schnell Linderung verschaffen!
Auch die Phytotherapie (Unterstützung mit Kräutern: hier ein Link zu entsprechenden Hufrehe-Kräuter-Produkten) kann bei Hufrehe sehr hilfreich sein – vor allem in der Langzeitbehandlung und der Vorbeugung. Bei einem akuten Schub sollten Sie nicht zu viel auf einmal geben. Haben Sie Medikamente von Tierarzt bekommen, warten Sie mit den Kräutern, bis diese abgesetzt wurden. Dann können die Kräuter die Schadstoffe (auch die der Medikamente) schonend aus dem Körper spülen und dafür sorgen, dass der Stoffwechsel (der ja Hufrehe-Auslöser ist) sich langsam normalisiert. Auch die Durchblutung, die zur Wundheilung führt, kann durch Kräuter angeregt werden. Auch Homöopathika können diesen Prozess unterstützen. Nehmen Sie aber lieber nicht irgendwelche, sondern lassen Sie sich von einem kompetenten Tierhomöopathen oder Tierheilpraktiker beraten. Auch Homöopathika können Nebenwirkungen haben.



Hufrehe-Behandlung langfristig


Mit dem Abklingen der akuten Anzeichen einer Hufrehe, schwindet auch meist die Sorge der Menschen und sie werden leichtsinnig. Doch eines ist gewiss: Damit ist es noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil: oftmals erleiden viele Pferde große Schäden, weil Sie viel zu früh wieder in den gewohnten Alltag zurückkehren – also wieder anfangen zu Reiten, das Pferd auf die Weide zu stellen, Silage und Kraftfutter zu füttern, das Pferd zu dick werden lassen etc. Dann wird die Hufrehe chronisch! Außerdem: Ein Pferd, das einmal eine Hufrehe hatte, ist stets gefährdet, wieder eine zu bekommen. Also: Nach der Hufrehe ist vor der Hufrehe! Einen „Normalzustand“ oder einen für Sie und Ihr Pferd gewohnten Alltag sollte es nicht mehr geben. Ein Hufrehe-Pferd muss dauerhaft als solches behandelt werden. Das heißt: Die Haltungsbedingungen müssen dauerhaft verändert werden, um die Hufrehe-auslösenden Faktoren, die ich oben erklärt habe, so gering wie möglich zu halten.
Sonst wird Ihr Pferd immer wieder diese schrecklichen Schmerzen erleiden müssen oder irgendwann gar an der Hufrehe sterben.


Woran muss ich nach der akuten Hufrehe denken?

1. Wie ist der Zustand des Hufrehe-Pferdes?
Röntgenbilder können ermitteln, welche Schäden die Hufrehe angerichtet haben. Dies sollten sie in regelmäßigen Abständen wiederholen und den Stand der Dinge kontrollieren.
Auch das Gewicht des Pferdes sollte, wie oben schon erwähnt, überprüft werden.
Außerdem der Allgemeinzustand des Pferdes (großes Blutbild) und die Futtermenge Ihres Pferdes sowie der eigentliche Futterbedarf Ihres Pferdes.

2. Veränderungen der Haltung nach der akuten Hufrehe
Ist der akute Hufrehe-Zustand nachweislich (fragen Sie Ihren Tierarzt) vorbei und die erste Schonphase vorüber (mehrere Wochen kleine Strecken Schritt-Gehen an der Hand, keine engen Wendungen, keine harten Böden, konsequente Hufbearbeitung), dann sollten Sie Ihrem Hufrehe-Pferd eine Haltung ermöglichen, die viel Bewegung mit wenig Nahrungsaufnahme kombiniert. Ideal wäre ein Offenstall mit angeschlossenen großen Sandflächen oder sehr kargen Weiden mit rationierter Heufütterung (Heunetze) ohne Kraftfuttergaben. Manche Ställe haben sich extra auf Hufrehe-Pferde spezialisiert und bieten so etwas an. Wenn Sie keinen solchen Stall in der Umgebung haben, pachten Sie doch einfach Land und machen es selbst ;-) Es gibt so viele Hufrehe-Pferde, die dringend eine neue Haltung bräuchten… Ihr Pferd wird schneller eine Menge neuer Freunde haben als es gucken kann. Gibt es wirklich keine andere Möglichkeit, als Ihr Pferd auf den fetten, saftigen Hochleistungsweiden zu halten, die die Bauern hochgezogen haben, dann hilft nur eins: ein Maulkorb und absolute Grasabstinenz bei Hufrehe-gefährlichem Wetter.

3. Bewegung , Bewegung, Bewegung
NACH der Hufrehe und nachdem die Schäden am Huf durch die Hufrehe verheilt sind, ist Bewegung das A und O! Denn je mehr Ihr Pferd bewegt wird, desto stärker ist der ganze Körper durchblutet, desto schneller werden Schadstoffe abtransportiert und desto geringer die Gefahr einer Hufrehe. Mal davon abgesehen, dass natürlich auch die Übergewicht-Gefahr durch mehr Bewegung sinkt. Kurz: An Bewegung führt kein Weg dran vorbei. Und von der Hufrehe einmal abgesehen: Ihr Pferd wird es lieben! Schließlich ist es ein Lauf-Tier.

4. Fütterungsumstellung nach Hufrehe und zur Vorbeugung
Keine Silage oder Heulage. Kein Kraftfutter (auch kein Müsli oder Mash). Keine süßen Sachen (Mais, Bananen, reife Birnen, Melasse). Keine Leckerli. Kein fettes Gras. Keine Küchenabfälle oder Baumschnitt (außer Obstbäume).
Stattdessen: abgelagertes aber qualitativ hochwertiges, nicht schimmliges oder staubiges Heu mit hohem Rohfaseranteil. Stroh als Einstreu. Mineralfutter nach Bedarf. Das wars!
Sie benötigen aber irgendwas zur Beimengung von Medikamenten, weil Sie diese ansonsten nicht in Ihr Pferd hinein bekommen? Auch für den Fall gibt es eine Lösung: Proteinarme Heucobs. Achten Sie darauf, wenn Sie ein solches Müsli kaufen wollen: Es darf keine Melasse und keine Kleie enthalten! (Sie werden sehen, da schränkt sich die Auswahl schon erstaunlich stark ein.)

5. Gewicht Ihres Hufrehe-Pferdes reduzieren
Wie oben schon erklärt, führt gerade bei der Hufrehe-Behandlung und der Hufrehe-Vorbeugung kein Weg an einer Diät vorbei – natürlich nur, wenn Ihr Pferd tatsächlich übergewichtig ist! Am besten lassen Sie sich in Hinsicht auf eine gewichtsreduzierende Diät und Ernährungsumstellung  von einem Experten beraten. Besonders empfehlen kann ich hier Dr. Ingrid Vervuert der Tierärztlichen Universität Leipzig (sie ist immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft; schließlich sitzt Sie direkt an der Quelle; außerdem ist sie sehr kompetent in Sachen Pferdeernährung und Diäthetik!) Oder Sie kaufen sich ein Buch über die Pferdernährung  - ich warne nur vor: das ist ein sehr komplexes Thema. Wer dennoch Lust hat, sich damit zu beschäftigen: Am Ende dieses Textes finden Sie einige Buchtipps.

6. Hufbearbeitung und Hufschutz bei bzw. nach Hufrehe
Die Hufbearbeitung einer akuten Hufrehe ist von der einer chronischen oder abgeheilten Hufrehe sehr zu unterscheiden. Denn im akuten Zustand der Hufrehe geht es vor allem darum, die Schäden, die am Hufaufhängeapparat entstehen, zu minimieren. Während es nach überstandener Hufrehe bzw. im chronischen Hufrehezustand darum geht, die mechanischen Verhältnisse im Huf zu normalisieren und somit ein erneutes Auftreten einer Hufrehe schon aufgrund einer Fehlbelastung innerhalb des Hufs zu vermeiden.
In der akuten Hufrehephase sollte unbedingt ein Polsterverband angelegt werden. Dieser dient dazu, den Stoß abzufangen. Denn durch das Gewicht des Pferdes und den Druck des Bodens wird die Schädigung des Hufes sonst nicht noch weiter verstärkt. Hier geht es also in erster Linie um Schadensbegrenzung.
Später empfehlen manche Tierärzte einen orthopädischen Beschlag, der die Abrollvorgänge erleichtern und die Hufbeinspitze entlasten soll. Andere sprechen sich hingegen vehement gegen diese Behandlung aus, da ein Beschlag die Hufmechanik des Hufs einschränkt und Stellungsfehler provoziert werden, anstatt sie abzubauen. (Aus diesen und anderen Gründen spricht sich übriegens die Hufrehe-Expertin Dr. Konstanze Rasch in Ihrem Buch „Diagnose Hufrehe“ gegen einen Beschlag aus.) Darum möchte ich Ihnen raten: Informieren Sie sich und hören Sie sich die Argumente beider Seiten zuerst genau an, bevor Sie sich für oder gegen einen Beschlag entscheiden. Denn dies ist eine äußerst wichtige Entscheidung. Übrigens: wenn Sie nur das Eisen in Betracht ziehen sollten, weil ihr Pferd fühlig ist und Sie den Huf zum Beispiel bei der Bewegung auf hartem Boden schützen wollen, sind auch Hufschuhe eine tolle Alternative!
Ist die akute Phase vorbei, muss der Huf sehr regelmäßig bearbeitet werden, damit die Veränderungen, die durch die Hufrehe entstanden sind, nicht zu einer Veränderung des ganzen Hufes führen. Wird hierauf nicht gut genug geachtet, entstehen sogenannte chronische Hufrehe Hufe, deren Spitze sich immer mehr nach vorne und oben bewegt und irgendwann die Hufmechanik völlig zerstört. Das Problem bei chronischen Hufrehe Hufen: Ihre Form sorgt für eine sehr ungünstige Hufmechanik und Druckverhältnisse, die dann erneut Hufrehe auslösen. Ein Teufelskreis!

7. Kräuter bei Hufrehe (Phytotherapie)
Kräuter sind perfekt für Pferde! Denn früher, als unsere Pferde noch nicht domestiziert waren, gehörten Kräuter zu ihrer alltäglichen Nahrung. Instinktiv wissen Pferde, welche Kräuter ihnen gut tun. Und hatten sie ein Wehwehchen, suchten Sie sich genau die Kräuter, die bei ihrem Problem hilfreich waren. Auch heute noch können Sie das beobachten, wenn Sie sich ein wenig Zeit nehmen, oder wenn Sie einfach Glück haben. Im Frühjahr fressen Pferde zum Beispiel unheimlich gern Löwenzahn. Warum? Der Löwenzahn ist ein Bestandteil einer natürlichen Frühjahrskur, die den Stoffwechsel in Gang bringt und die Leber für die Herausforderungen des Frühjahrs wappnet.
Hätten die Pferde heute noch die Möglichkeit, sich selbst die Kräuter zu suchen, die sie bräuchten, sie würden sich selbst heilen. Do leider geht das heute nicht mehr. Also müssen wir unseren Pferden auch diesen Teil ihrer natürlichen Nahrung zur Verfügung stellen – und können ihnen damit sogar bei Ihren gesundheitlichen Problemen helfen. Besonders bei Hufrehe können Kräuter erstaunliche Dienste erweisen. Da Hufrehe eine Stoffwechselerkrankung ist, muss der Stoffwechsel angetrieben und normalisiert werden. Außerdem müssen die Giftstoffe, die durch die Stoffwechselstörung entstehen, abtransportiert werden. Und in diesem Bereich sind Kräuter wahre Meister! Sie fördern den Stoffwechsel, sorgen so sogar noch für schnelleren Fettabbau bei übergewichtigen Pferden und befreien den Körper von den Giftstoffen, die Hufrehe auslösen.
Nun werden Sie sicher fragen: Wie geht denn das? Wie können Kräuter bei Hufrehe so hilfreich sein? Ganz einfach: Wenn wir Stoffwechsel meinen, dann meinen wir im speziellen die Verdauungs- und Entgiftungsorgane des Körpers: Die Leber, die Niere und den Darm. Wollen wir den Stoffwechsel ankurbeln, müssen wir also diese drei Organe ankurbeln. Und das können Kräuter richtig gut. So aktivieren und schützen Löwenzahn und Mariendistel zum Beispiel die Leber, Birke und Brennnessel die Niere und Fenchel den Darm. Eine Kräuter-Mischung, die sich auf diese drei Organe konzentrieren, kann dem belasteten Organismus also relativ einfach Erleichterung verschaffen. Wenn dann noch Kräuter hinzugegeben werden, die den Ruf haben die Durchblutung der vom Herz weiter entfernten Körperregionen (wie dem Huf) zu fördern, ist die Kräuter-Mischung für ein Hufrehe Pferd schon fast perfekt. Der Rest ist auf eine individuelle Situation zugeschnitten und rundet das Paket ab.
Wer schon einmal eine Stoffwechsel-Kur bei einem Hufrehe-Pferd gemacht hat, ist wirklich erstaunt über die Ergebnisse. Fertige Kräuter-Produkte bei Hufrehe finden Sie hier…

8. Zusatzfutter / synthetische Nahrungsergänzungsmittel meiden
Wie schon gesagt, kommen Kräuter der Natur unserer Pferde am nächsten. Kräuter zu geben, um das Wohlbefinden des Pferdes zu steigern, ist also im Prinzip das Sinnvollste, was Sie tun können. Auf alle Fälle sinnvoller als synthetische Stoffe in den 1000 Nahrungsergänzungsmitteln, die auf dem Markt sind – schließlich kann der Körper (übrigens nicht nur der tierische sondern auch der menschliche) diese Nährstoffe nicht gut verwerten im Gegensatz zu bioverfügbaren Nährstoffen. Neuste Studien legen sogar nah, dass die Gabe oder Einnahme von solch synthetischen Nahrungsergänzungsmitteln eher dazu führt, dass wir und unsere Tiere kränker werden. Ich würde also die Gabe solcher Stoffe eher meiden. Es sei denn, es wurde durch eine Blutuntersuchung ein Mangel eines bestimmten Stoffes im Pferdekörper nachgewiesen. Dann kann man dieses zuführen. Aber gezielt und ausgewählt und nicht einen hochdosierten Rundumschlag geben.

9. Feinstoffliches (Homöopathie, Schüssler Salze) bei Hufrehe
Dennoch sind auch Kräuter in manchen Fällen nicht angezeigt. Sind zum Beispiel einzelne Organe des Tieres ernsthaft erkrankt, wie zum Beispiel das Herz, die Leber oder die Niere, ist es nicht sinnvoll, diese Organe durch Kräuter auch noch anzuregen. So darf Brennnessel zum Beispiel bei eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit nicht verwendet werden. Hierauf zu achten, steht natürlich auch in unserer Verantwortung als Pferdehalter. Desweiteren reagieren manche Lebewesen allergisch auf bestimmte Kräuter-Arten, zum Beispiel Korbblütler wie die Kamille. Auch hier ist die Gabe solcher Kräuter natürlich nicht sinnvoll.
In diesen o.g. Fällen macht es Sinn, auf feinstoffliche Hilfe auszuweichen und sich homöopathischen Medikamenten zuzuwenden. Allerdings möchte ich von der pauschalen Gabe irgendwelcher Homöopathika abraten. Auch diese haben Nebenwirkungen und ein unsachgemäßer Gebrauch kann zu einer Verschlimmerung der Symptomatik führen. Darum wenden Sie sich, wenn Sie Homöopathie in Betracht ziehen, an einen ausgebildeten Tierheilpraktiker oder an einen Tierarzt, der sich mit Homöopathie auskennt. Das mag zwar zuerst kostenintensiver und aufwendiger erscheinen, doch das Ergebnis wird dafür umso schneller und effizienter sein. Ob Sie nun ein halbes Jahr mit den unterschiedlichsten Homöopathika herumdoktern oder Ihrem Pferd mit der Gabe eines einzigen Homöopathikums durch Ihren Tierarzt oder Tierheilpraktiker geholfen ist… Das lohnt sich wirklich.


Literatur zum Thema:
•    Bender, Ingolf (2011): Praxishandbuch Pferdefütterung. Stuttgart: Kosmos Verlag.
•    Bührer-Lucke, Gisa (2010): Expedition Pferdekörper. Stuttgart: Kosmos Verlag.
•    Meyer, Helmut und Coenen, Manfred (2002): Pferdefütterung. 4., erweiterte und aktualisierte Auflage. Berlin: Parey Buchverlag.
•    Rasch, Konstanze (2010) : Diagnose Hufrehe. Stuttgart:  Müller Rüschlikon
•    Schmidt, Romo und Häusler-Naumburger, Ulrike und Dübbert, Thomas (2002): Hufrehe. Vermeidung – Früherkennung – Heilung; Cham: Müller Rüschlikon Verlag
•    The Laminitis Trust: http://www.laminitis.org/

Disclaimer:
Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit und repräsentiert nur die der Autoren zum Zeitpunkt des Verfassens bekannten Methoden, Vermutungen und Fakten, und entbindet den Tierhalter weder von seiner Verantwortung seinem Tier gegenüber noch von seiner Pflicht, bei einem Veterinärmediziner vorstellig zu werden und sich eine Fachmeinung einzuholen. Wir übernehmen keinerlei Haftung.

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