Für viele Unternehmen ist es Standard mit guter Qualität zu werben… Was dabei genau gut ist, bleibt meist im Unklaren. Und so verkommt der Hinweis auf Qualität zu einer bloßen Floskel, auf die kaum mehr jemand achtet.
Warum wir aber unbedingt auf Qualitäten achten sollten und was genau dahinter steckt, das erfahrt ihr in diesem Artikel.
Welche Kräuter-Qualitäten es gibt:
Es gibt sehr unterschiedliche Stufen von Qualität… für einige gibt es sogar Zertifikate, die diese Qualitätsstufe beweisen, für andere nicht.
Die Qualität wird an folgenden Parametern bemessen:
- Qualität des Saatgutes
Hier geht es um die Pflanzensorte an sich: Handelt es sich zum Beispiel um eine Arznei-Pflanze, die in Hinsicht auf einen möglichst großen Wirkstoffgehalt gezüchtet wurde? Handelt es sich um ein Küchenkraut, das auf möglichst viel Aroma gezüchtet wurde? Handelt es sich um eine Bio-Sorte? Oder trifft nichts davon zu?
Schon das Saatgut bestimmt, in welcher Stufe sich das spätere Kraut einsortieren kann. Und welches Saatgut ich wähle, hängt von der späteren Nutzung ab.
Wie teuer ein Saatgut ist, hängt wiederum davon ab, wieviel Arbeit es kostet, dieses zu ernten und wie viel züchterischer Aufwand dahinter steckt. - Qualität des Anbaus
Um einen möglichst hohen Gehalt an Inhaltsstoffen gewährleisten zu können, benötigt eine Pflanze sehr viel mehr Pflege. Als Beispiel: Um später einen möglichst großen Reinheitsgehalt bei der Ernte gewährleisten zu können, müssen Beikräuter zum Beispiel vermieden werden (durch Mulch) oder zum Teil sogar händisch entfernt werden. Das ist mit viel Personal- und/oder Maschineneinsatz verbunden. Beides kostet dem Produzenten sehr viel Geld. Es ist also gut nachvollziehbar, dass eine hohe Reinheit des Krauts mit einem sehr viel höheren Preis einher gehen muss, als wenn die Reinheit am Ende keine Rolle spielt. - Qualität der Ernte
Wenn das Ziel des Produzenten ein möglichst hoher Gehalt an Inhaltsstoffen ist, dann ist er gezwungen das Kraut sehr schonend zu ernten. Denn jede Verletzung der Pflanze führt zu einem Verlust von Inhaltsstoffen. Hierzu gehört auch, schnellstmöglich und schonend das Blatt vom Stengel zu entfernen, damit sich die Inhaltsstoffe nicht in den Stengel zurückziehen und im Blatt nachher nichts mehr vorhanden ist. Auch der Zeitpunkt im Jahr und der Tageszeitpunkt der Ernte spielen eine große Rolle bei der Frage, wieviel Stoffe am Ende noch vorhanden sein werden: So darf zB nicht in praller Mittagssonne geerntet werden, es muss aber trocken sein und sollte den Tag davor nicht geregnet haben.
All das, und das ist ja nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was Produzenten so beachten müssen, ist ein erheblicher Aufwand, der am Ende natürlich auch den Preis des Krautes bestimmt. Wem egal ist, was am Ende im Kraut ist, weil er es eh nicht zertifizieren lassen will, für den ist sowohl Anbau auch als Ernte sehr viel kostengünstiger machbar. - Qualität der Verarbeitung
Nach der Ernte geht es weiter mit der Verarbeitung: Höchste Qualitäten sind nur mit zwei Verarbeitungsarten zu erreichen: geschnitten oder ganz. Werden Kräuter in großen Mengen zum Beispiel gemahlen und soll dies möglichst schnell und kosteneffizient gehen, dann entsteht bei diesem Prozess so viel Wärme, dass ein Teil der Inhaltsstoffe vernichtet wird. Pulver bietet noch einen anderen Vorteil für das billige Kraut: Es ist nicht mehr sichtbar wie rein dieses Kraut ist. Geschnittene und ganze Qualitäten können nicht schummeln: hier sieht jeder auf einen Blick, ob sich andere Pflanzen oder sogar Fremdbestandteile im Kraut befinden oder nicht. Das ist bei Pulver nicht mehr möglich. Auch das macht das Kraut am Ende billiger. - Qualität der Trocknung
Ein Kraut so schonend zu trocknen, dass es möglichst wenig Inhaltsstoffe bei der Wärme verliert, ist nur mit geringen Temperaturen und langer Dauer möglich. Viel Zeit kostet den Produzenten viel Geld und im Zweifel zusätzlich viel Strom. Schnell Getrocknetes enthält nichts mehr, ist aber sehr viel günstiger zu produzieren. - Vorhandensein von Kontrollen & Analysenergebnisse
Wer eine besondere Qualität benötigt, wie zum Beispiel in der Pharmazie oder bei sehr hochwertigen Gewürzen, der muss diese Qualität sicherstellen. Dies ist nur durch Analysen im Labor möglich. Für die Pharmazie wird ausschließlich Arzneibuch-Qualität verwendet (kein anderes Kraut würde jemals in ein Medikament fließen!) Und diese Qualität legt fest, wieviel Mindestgehalt an Wirkstoffen im Kraut sein müssen. Wird dieser Wert trotz all der Maßnahmen zuvor nicht erreicht, darf dieses Kraut nicht als Arzneibuch-Qualität verkauft werden - und all die Mühe war umsonst. Das ist ein großes Risiko für den Produzenten und sicherlich eines, dem sich nur sehr qualifizierte Betriebe aussetzen - und das einen Preis hat.
Wer günstig einkauft, bekommt keine Zertifikate - aber genau darum ist es ja auch günstig.
Übrigens zählen zu den Kontrollen natürlich auch solche über das Vorhandensein von Schad- und Giftstoffen wie z.B. Pestiziden aber auch Bodenschadstoffen. - Reinheit
Dieser Punkt tauchte zuvor schon einmal kurz auf, und dennoch ist er so wichtig, dass ich hier noch einmal genauer darauf eingehen möchte. Denn nur größtmögliche Reinheit (in Kombination mit gesicherten Wirkstoffgehalten) lässt eine punktgenaue Dosierung zu. Die Arzneibuch-Qualität sichert eine Reinheit von 98% zu. Mindere Qualitäten können zum Teil nicht einmal 60% gewährleisten.
Da wir in der Krauterie alle der oben stehenden Parameter gewährleisten wollen, bleibt uns nur eine einzige (die teuerste) Qualitätsstufe. Unser ganz persönliches Dilemma dabei: Wir verwenden sie, dürfen sie aber nicht benennen. Wir dürfen Euch also auf der Verpackung oder im Shop nicht darüber informieren, welche Qualitätsstufe wir verwenden und auch mit Zertifikaten nachweisen können, weil es uns im Bereich „Futtermittel“ aus futtermittelrechtlicher und aus arzneimittelrechtlicher Sicht nicht zusteht, dieses Wort, welches die Qualitätsstufe bezeichnet, zu verwenden.
Größtmögliche Qualität zu nutzen ohne etwas darüber sagen zu dürfen, ist betriebswirtschaftlich gesehen eigentlich der Supergau! Denn…was sagen Euch schon solche Sätze wie „hervorragende Qualität“? Ja genau, eigentlich nichts, denn sie sind in der Werbung zu einer Floskel verkommen.
Warum machen wir es dennoch so? Weil unser Claim „Aus Liebe und Verantwortung zum Tier“ nicht nur ein Spruch ist, sondern gelebte Firmenphilosophie. DAS ist unser Nordestern! Das ist das, weswegen es die Krauterie gibt. Und darum brauchen wir größtmögliche Qualität!
Doch zurück zur Qualität:
Wie könnt Ihr denn nun wissen, welche Qualitäten ihr vor Euch habt, wenn es euch keiner sagen darf (oder will)? Dafür könnt Ihr ganz einfach Eure Sinne benutzen:
Sinnesprobe zur Qualitätserkennung
- Der Geruch
Der Geruch ist das wohl prägendste Erlebnis. Viele von Euch schreiben uns immer wieder, dass selbst eure Postboten begeistert sind von dem Geruch, der euren Paketen entströmt. Und genau das zeichnet eine sehr hohe Qualität aus: ein intensiver Geruch.
Der muss nicht immer lecker sein (Beispiel Baldrian alias Stinkwurz). Aber selbst wenn es stinkt wie Baldrian, wisst ihr, dass es ein guter Baldrian ist, sonst würdet ihr ihn nicht oder nur kaum riechen können. - Die Farbe
Eine langsame und schonende Trocknung erhält nicht nur einen großen Teil der Inhaltsstoffe, sondern eben auch die Farbe - beides geht Hand in Hand. Hast du ein Kraut in Händen, dass kaum mehr Farbe beinhaltet, kannst Du davon ausgehen, dass es auch kaum mehr Inhaltsstoffe beinhaltet. - Die Haptik & Das Geräusch
Ein richtig gutes Kraut knistert, wenn du es in die Hand nimmt und fühlt sich wirklich trocken an. Ist es labberig, enthält es zu viel Feuchtigkeit, vielleicht sogar Schimmelsporen, und ist minderwertig. - Der Geschmack
Mit dem Geschmack verhält es sich ebenso wie mit dem Geruch: ein sehr intensiver Geschmack, der einer geübten Zunge sogar sehr schnell verraten kann, ob das Kraut z.B. Gerbstoffe, viele ätherische Öle oder Bitterstoffe etc. enthält, verrät den großen Gehalt dieser Stoffe im Kraut. Ein fader Geschmack, der kaum zu bestimmen ist, ein Tee der ewig braucht, um das Wasser zu färben, zeugt von minderen Qualitäten. Nimm zur Probe einmal unsere Minze oder unseren geschrotenen Kümmel und übergieße ihn mit kochendem Wasser: Sofort werden die Farbstoffe und Aromen herausströmen und das Wasser färben. Da gibt es keine Wartezeit.
Ja, wir lieben unsere Kräuterqualität sehr! In sämtlichen Haushalten der Krauties wirst Du unsere Kräuter finden: Im Pferdestall, für unsere Hunde, aber auch im Teeschrank. Uns kommt nichts anderes mehr ins Haus, denn wir sind super überzeugt von dieser Qualität.
Warum wir trotzdem Pulver für Hunde und Katzen anbieten
Obwohl in vielen Pulvern der Gehalt an Inhaltsstoffen reduziert ist, bieten wir Pulver zur Auswahl bei Hunden und ausschließlich für Katzen an. Das hat zwei Gründe:
- Pulver ist nicht gleich Pulver: Auch eine Arzneibuch-Qualität kann gemahlen werden. Anschließend verliert sie den Status der Arzneibuchqualität (ausgenommen Weidenrinde), dennoch basiert das Endprodukt auf einer sehr hohen Qualität. Das macht natürlich kaum jemand, ausser im Pharmabereich, denn das sind schon unnötig hohe Kosten für ein Pulver.
- Besonders sehr kleine Hunde und Katzen können sich an den zum Teil recht groben Pflanzenteilen verschlucken. Um das zu vermeiden, bieten wir für diese beiden Zielgruppen auch Pulver an. Und manche Hunde fressen halt auch einfach besser das Pulver unter das Nassfutter gemischt anstatt des groben Krautes.
Seltsame Konsistenzen?
Wir bekommen immer mal wieder besorgte Anfragen von Euch in Hinsicht auf ganz bestimmte Kräuter wie zum Beispiel Artischocke. Darum ein kleiner Hinweis zu derlei seltsamer Konsistenzen: Pflanzen wie Artischocken besitzen sehr starke Pflanzenfasern nebst sehr fleischigen Anteilen. Wenn sie dann getrocknet werden, verklumpt diese Mischung aus ehemals fleischigen Anteilen und den festen Pflanzenfasern und bilden seltsame Fäden, die aussehen wie Gespinste von Schädlingen. Tatsächlich entsteht diese Konsistenz aber automatisch beim Verarbeitungs- und Trocknungsprozess und ist naturgemäß. Unsere Artischocke besitzt darum ebenso ein Zertifikat für die höchste Qualitätsstufe: Inhaltsstoffen und Geschmack tut ihr Äußeres also keinen Abbruch.
Ein Wort zum Schädlingsbefall und zur Lagerung
Kräuter sind ein trockenes Naturprodukt wie Heu oder auch Mehl. Trockene Naturprodukte sind für viele Schädlinge interessant wie zum Beispiel die Lebensmittelmotte. Da wir um dieses Risiko wissen, haben wir in unserem Gebäude eine ausgeklügelte Schädlingsüberwachung und schadstofffreie Bekämpfung, wenn nötig. Wir können also mit 99%iger Sicherheit garantieren, dass die Kräuter, die unser Gebäude verlassen frei sind von Schädlingen.
Leider haben wir das restliche Risiko nach Verlassen unseres Gebäudes nicht in der Hand. Darum ist es so wichtig, dass ihr eure Kräuter stets dunkel, kühl und trocken lagert und zwar dort, wo keine Schädlinge Zutritt haben. Der Stall ist meist voll von Schädlingen, die jederzeit durch kleine Ritzen in der Verpackung zusteigen können. Verhindern könnten wir dies nur durch die Verwendung von Plastikverpackungen, die luftdicht verschließbar sind. Aber unser Nachhaltigkeitsgedanke vermeidet so weit es geht die Verwendung von Plastik (manchmal geht es leider noch nicht wie bei der Verpackung von Flüssigkeiten oder extrem feuchtigkeitssensiblen Produkten wie z.b. einem Mineralfutter).
Du kannst aber dieses Risiko minimieren, indem du die komplett trockene Kräuter noch bei Dir zuhause in ein luftdicht verschließbares Gefäß gibst und die Kräuter dann so im Stall lagerst. Oder du lagerst sie bei dir zuhause und nimmst nur die Portion mit in den Stall, die du täglich brauchst. Übrigens ist auch oft der Keller nicht der geeignete Lagerort für Kräuter. Dort ist es zwar meist kühl, aber viele Keller sind auch zu feucht für die Lagerung von Kräutern, die idealerweise nicht über 50% Luftfeuchtigkeit gelagert werden sollten.