Eine fundierte Literaturrecherche
Googelt man „Eukalyptus und Hunde“ schlussfolgert die KI es sei nicht sicher für Hunde und sogar giftig. Auch ohne KI gibt es diverse ähnliche Einträge, dass Eukalyptus für Hunde unverträglich sei. Ein Blick in die angeblichen Quellen zeigt jedoch, dass das KI-Ergebnis weder auf wissenschaftlichen Quellen noch auf Lehrbüchern der Pflanzen- oder Futtermittelkunde basiert. Oft fehlen Literaturangaben ganz. Doch wie lässt sich beurteilen, ob die Aussagen, die im Internet gemacht werden, wahr sind?
Am Bespiel von Eukalyptus (Eucalyptus globulus und Eucalypti folium) gehen wir dem auf den Grund und betreiben eine kurze fundierte und wissenschaftliche Literaturrecherche. Dazu vergleichen wir die Einträge zweier Standardwerke der Pflanzenkunde zur Anwendung bei Tieren und dem aktuellen wissenschaftlichen Stand.
Was steht in Lehrbüchern zur Sicherheit von Eukalyptus
Reichlings Werk zur Folge (Reichling et al; 2016) darf Eukalyptusöl in der EU bei lebensmittelliefernden Tieren (Rinder, Schafe, Schweine etc) verwendet werden, allerdings keine Eukalyptusblätter.
--> Kontext: Alle Kräuter sind in der EU zur Anwendung bei lebensmittelliefernden Tieren nicht zugelassen. Viele Landwirte (gerade Bio-Landwirte) hadern sehr mit dieser absurden Situation, da sie auch wenig logisch erscheint. Warum dies so ist, lässt sich nur mutmaßen: Oftmals sind Stoffe einfach dann nicht zugelassen, wenn sie einfach nicht für diesen Zweck untersucht wurden.
Negativ-Angaben zu Heimtieren gibt es nicht. Demnach ist es grundsätzlich erlaubt diese zu verfüttern. Dosierungsempfehlungen werden jedoch nicht gemacht.
In der Schweiz dürfen sowohl Eukalyptusblätter als auch Eukalyptusöl bei lebensmittel-liefernden Tieren und Heimtieren verwendet werden. Als unerwünschte Wirkungen und Gegenanzeigen werden Augenreizungen bei Inhalation bzw. nervöse und Magen-Darm-Störungen bei Überdosierungen des Eukalyptusöls gemacht. Es gibt den Hinweis, dass für Neugeborene und sehr junge Tiere Eukalyptusöl ungeeignet ist, da es zu Spasmen der Atemwege kommen kann. Nicht angewendet sollte es außerdem bei entzündlichen Erkrankungen des Verdauungstraktes oder schweren Leberkrankheiten. Bei Katzen ist von der Anwendung abzuraten.
Im Werk von Brendieck-Worm und M. F. Melzig (2018) wird bei der Verwendung von Eukalyptusöl hingeweisen, dass es nicht pur auf Haut oder Schleimhaut, nicht auf beschädigter Haut, unter einem Verband oder an schlecht belüfteten Körperstellen verwendet werden sollte. Zudem wird auch hier darauf hingewiesen, dass es für Katzen nicht geeignet ist. Sicherheitswarnungen zur Verabreichung von Eukalyptus bei Hunden gibt es auch hier nicht.
Doch wie sieht es mit der Verfütterung von Eukalyptusblättern aus? Aufschluss gibt eine vor wenigen Jahren erschienene Studie:
Wie ist die aktuelle Einschätzung der Sicherheit von Eukalyptus für Hunde?
Im Jahr 2023 wurde im EFSA Journal eine grundlegende Übersichtsarbeit veröffentlicht. Darin wird die wissenschaftliche Meinung zur Sicherheit und Wirksamkeit des ätherischen Öls aus Eukalyptusblättern und -zweigen in Futtermitteln und Trinkwasser für alle Tierarten erläutert. Dies beinhaltet auch die Verfütterung.
--> Die EFSA ist das zentrale Gremium in der EU für die Risikobewertung der Bereiche Lebens- und Futtermittelsicherheit. Über das EFSA Journal werden die wissenschaftlichen Untersuchungen frei zugänglich veröffentlicht.
Das Expertengremium kam zu dem Schluss, dass die Verwendung von Eukalyptusöl als Zusatzstoff oder die Verfütterung der Blätter und Zweige bis zu einer Konzentration von 58 mg/kg für Hunde unbedenklich ist. Auch wenn es pur als hautreizend, augenreizend und atemwegsreizend sowie als Hautsensibilisator einzustufen ist, sollte die Verwendung in der aufgeführten maximalen Konzentration im Futter kein Risiko auslösen. Für Eukalyptus im Futter oder Wasser wird dies gleichermaßen eingeschätzt.
Wie hoch ist der Gehalt an ätherischem Öl in getrockneten Eukalyptusblättern?
Der Gehalt von ätherischem Öl in getrockneten Eukalyptusblättern liegt zwischen 0,5 bis 3%. Bei einer maximalen Fütterungsempfehlung pro Tag von 0,25 g (250 mg) für einen Hund bis zu 20 kg und 0,5 g (500 mg) für einen Hund ab 20 kg wie wir sie geben, beträgt die enthaltene Menge ätherischen Eukalyptusöl 7,5 bis 15 mg. Mehr sollte am Tag nicht aufgenommen und natürlich die genannten Hinweise eingehalten werden. Somit unterschreitet es die sichere Konzentration von 58 mg für Hunde. Für Katzen empfehlen wir aufgrund der Glucuronidierungsschwäche kein Eukalyptus.
Anmerkung: Eine Literaturrecherche ist für jeden über die englischsprachige Datenbank PubMed anhand von englischen Suchbegriffen möglich und frei zugänglich. Ein deutschsprachiges, weniger umfangreiches Tool ist z.B. Google Scholar, um eigenständig Recherche zu betreiben. Natürlich kann auch KI verwendet werden, jedoch sollte er Zusatz „wissenschaftliche Quellen verwenden und Werbeanzeigen ausschließen“ genutzt werden, um fundierte Ergebnisse zu erhalten. Alternativ kann bei der EFSA unter dem englischen Begriff der entsprechenden Pflanze gesucht werden.
Zum Weiterstöbern
J. Reichling et al. Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis. Kapitel 12.5 Eukalyptus, S. 185. 3. Auflage Springer Verlag 2016
C. Brendieck-Worm und M. F. Melzig. Phytotherapie in der Tiermedizin. Kap. S Georg Thieme Verlag KG 2018
https://www.efsa.europa.eu/de/corporate/pub/factsheetej
EFSA J. 2023. Safety and efficacy of a feed additive consisting of an essential oil derived from Eucalyptus globulus Labill. (eucalyptus oil) for all animal species (FEFANA asbl). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10375361/