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Horn- und Hufpflege mit Kräutern

Aufgrund des Klimawandels wird das Wetter immer extremer: Entweder haben wir Dauerregen oder Dürre. Dies hat natürlich nicht nur Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, sondern auch auf unsere Pferde. Besonders stark macht sich dieses Ungleichgewicht in Sachen Feuchtigkeit an den Hufen bzw. genauer am Horn bemerkbar. Während der Dauerregenphase hatten fast alle Pferde zu weiche Hufe und viele hatten mit gammeligem Strahl zu kämpfen. Jetzt, in der Dürrephase, sind die Hufe viel zu trocken. Das Horn wird brüchig / bricht aus und lässt sich schwerer bearbeiten. Es ist also an der Zeit, sich mehr als früher mit der richtigen Horn- bzw. Hufpflege auseinander zu setzen.

Die Hufe sind die Basis des Bewegungsapparats unserer Pferde. Ohne gute Hornqualität geht langfristig gar nichts. Die richtige Pflege ist also sehr bedeutend – besonders in Zeiten extremer klimatischer Bedingungen.

Natürliche Pflege für zu trockene und brüchige Hufe

Das A und O bei zu trockenen und daher ausbrechenden Hufe ist Feuchtigkeit. Darum ist es ganz wichtig, bei zu trockenen Hufen nicht mit Öl zu arbeiten. Denn bei Öl wissen wir inzwischen, dass es nicht nur das Horn nach außen abdichtet und so die Aufnahme von Feuchtigkeit in den Huf unmöglich wird, sondern auch, dass es bereits vorhandene Feuchtigkeit ausspülen kann – und somit den Huf noch trockener macht als zuvor. Also ganz wichtig, bei zu trockenen Hufen: Finger weg von Huf-Ölen und fetthaltigen Hufpflegeprodukten!

Statt dessen müssen wir für Feuchtigkeit sorgen. Wer einen eigenen Stall hat, kann z.B. auf dem Paddock-Trail, eine kleine Wasserfurt einbauen, durch die die Pferde durch laufen müssen. Das wäre ideal für die Hufe. Da die meisten Pferdebesitzer diese Möglichkeit nicht haben, und viele Pferde nicht gerne 15 Minuten am Tag in 4 Wassereimern stehen, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen. Ein Kräuter-Hufwasser ist eine gute Alternative. Denn dieses enthält nicht nur Feuchtigkeit, sondern darüber hinaus auch noch hornstärkende und hornpflegende Stoffe. Natürlich können Sie mit der Pflege beginnen, wenn der Huf bereits ausgebrochen ist. Dann wird es aber natürlich eine Weile dauern, bis sich das Horn wieder regeneriert und von oben neu herunter gewachsen ist. Idealerweise betreiben Sie diese Pflege grundsätzlich – so wie Sie täglich Ihr Pferd putzen und füttern.

Feuchtigkeitsspende Naturstoffe zur Hufpflege

  1. Aloe Vera Gel
    Aloe Vera ist eine Pflanze, die in ihren dicken, fleischigen Blättern Feuchtigkeit speichert. Die ideale Pflanze also, um Feuchtigkeit zu spenden. Beim Einkauf sollten Sie darauf achten, nur BIO einzukaufen und ein möglichst reines Produkt (über 90 %). Je geringer der Aloe Vera Anteil, desto größer die Chance, dass viel Chemie enthalten ist, die dem Horn nicht gerade gut tut. Alternativ können Sie natürlich auch Aloe Vera Saft nehmen. Dieser ist aber schwerer aufzubringen, haftet schlechter und verdirbt nach Anbruch auch meist schneller.
  2. Pflanzenschleime z.B. aus Eibischwurzel oder Malvenblättern
    Manche Pflanzen enthalten Schleimstoffe, die sich lösen lassen, wenn das Kraut mehrere Stunden in kaltem Wasser zieht. Diese Schleime verhindern, dass der Wasseranteil sofort den Huf hinunter läuft und verdunstet – hält also etwas länger die Feuchtigkeit. Darüber hinaus schützt diese Schleimschlicht eine Zeit lang vor äußeren Einflüssen. Der Nachteil an Pflanzenschleimen: Die Herstellung muss täglich frisch vollzogen werden, da die Pflanzen nach Stunden im Wasser, schnell verderben.
  3. Gurken-Extrakt
    Gurken-Extrakt ist herrlich kühlend und feuchtigkeitsspendend. Diesen selbst herzustellen ist allerdings nicht einfach, und vor allem in Sachen schneller Verderblichkeit auch nicht anzuraten. Diesen sollte man lieber im Handel erwerben.
  4. Pflanzliches Glycerin
    Glycerin wird in der Kosmetik als Feuchthaltemittel eingesetzt und vor allem in Cremes und Haarpflegeprodukten verwendet. Neben seinen feuchthaltenden Eigenschaften ist Glycerin auch ein „Weichmacher“. Er sollte allerdings niemals pur verwendet werden, sondern als Zusatz von 0,5 bis maximal 10 % in einem Hufwasser.

 

Hornpflegende und hornstärkende Kräuter

Neben den feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften sollte ein Hufwasser immer auch das Horn stärken und pflegen. Das ist die Domäne von Kräutern:

  1. Ackerschachtelhalm
    Ackerschachtelhalm ist DIE No. 1 zur Stärkung von Horn, Haut und Haaren, denn er enthält den größten in Pflanzen vorkommenden Anteil an Kieselsäure – ein Baustein von Haar und Horn. Um die Kieselsäure für den Huf verfügbar zu machen, muss diese erst aus dem Kraut gelöst werden. Hierzu macht man einen Kaltwasserauszug; das heißt, Sie lassen den Ackerschachtelhalm einen Tag lang in kaltem Wasser ziehen, seien das Kraut dann ab und nutzen das verbliebene Kräuterwasser zum Einpinseln des Hufes.
  2. Brunnenkresse, Brennessel und Kürbiskerne
    Neben Kieselsäure, die auch in Brennessel enthalten ist, sind Zink und Schwefel weitere Nährstoffe für das Horn. Diese finden sich in Pflanzen vor allem in Brunnenkresse (Zink & Schwefel), in Kürbiskernen (Zink) und in Brennessel (Schwefel, Kieselsäure). Brunnenkresse und Brennessel können als starken Tee zubereitet werden und dann auf den Huf gepinselt werden. Kürbiskerne sollten mehrere Woche in Alkohol ziehen, bevor die Flüssigkeit genutzt werden kann – bei Tee ist die Ausbeute an Inhaltsstoffen nicht sehr groß. In Sachen Ausbeute wäre der Ölauszug noch besser, doch dieses ist ja wie oben beschrieben nicht ideal für trockene Hufe.

Hornwachstum stärkende Kräuter

Damit der Huf von oben wieder gesund nachwachsen kann und das Wachstum des Hufes angeregt wird, ist es sinnvoll, dem Hufwasser Kräuter hinzuzufügen, welche das Wachstumspotenzial des Horns stärken. Hierzu bieten sich am einfachsten ätherische Öle an wie ätherisches Rosmarin Öl, ätherisches Wacholder Öl oder ätherisches Ingwer Öl. Es sollten nicht mehr als zwei ätherische Öle verwendet werden und diese sollten in maximal 15 Tropfen auf 50ml dosiert und nie pur verwendet werden.
Aber auch Klettenwurzel Extrakt passt sehr gut zu einer Mischung.
Das Hufwasser dann auch auf den Kronrand geben und diesen täglich etwas massieren. Das stärkt die Durchblutung und somit auch das Wachstum.

 

 

Natürliche Pflege für zu weiche und gammelige Hufe

Gerade die Hufe von Pferden, die den ganzen Tag auf der Weide stehen, leiden bei Dauerregen, Matsch und ständig feuchtem Wetter. Aber die letzte Dauerregenperiode hat sogar das Horn von den Pferden aufgeweicht, die nur zwei Stunden am Tag auf dem Matschpaddock stehen. Da leider derzeit abzusehen ist, dass diese extrem Wetterbedingungen anhalten bzw sich sogar noch ausweiten, werden wir uns schnell mit der Frage beschäftigen müssen: Wie erhalten wir ein starkes Horn bei unseren Pferden, selbst wenn alles im Wasser untergeht.

Die Lösung enthält zwei Schritte:

  1. ein Hufwasser, welches das Horn stärkt, härtet und „entgammelt“
  2. ein Öl, welches eine Schutzschicht nach außen bildet, und die Feuchtigkeit vom Huf fern hält (zumindest eine Zeit lang)

Hier können wir uns nun die feuchtigkeitsauspülenden und abschirmenden Eigenschaften des Öls zunutze machen. Denn was bei trockenen Hufen ein NoGo ist, ist ideal bei zu nassen Hufen.

Warum zwei Phasen?
Sie werden sich möglicherweise fragen, wieso Sie nicht einfach beides in einem haben und sich somit die zwei Phasen der Pflege sparen können. Das ist natürlich eine berechtigte Frage. Die Antwort ist ebenso einfach: Kräuter müssen je nach Inhaltsstoff in unterschiedlichen Substanzen gelöst werden. Es gibt Kräuter, deren wertvollsten Inhaltsstoffe sich vor allem in Öl lösen. Es gibt aber auch viele Kräuter, deren Haupt-Inhaltsstoffe sich nur in Wasser oder Alkohol lösen. Die obigen Kräuter gehören einfach zur zweiten Kategorie. Es ist darum sehr viel effektiver, wenn wir Ackerschachtelhalm, schwarzen Tee, Eichenrinde und Walnussblätter in Wasser oder Alkohol lösen und zuerst verwenden. Dann kurz das Ganze trocknen lassen. Und dann das Schutzöl auftragen, welches die natürliche Schutzbarriere des Horns vor äußeren Einflüssen stärkt.

Pflege-Phase 1: stärkendes, härtendes und „entgammelndes“ Hufwasser

  • Ackerschachtelhalm
    Auch für zu weiche Hufe ist die stärkende Kieselsäure in Ackerschachtelhalm super. Zubereitung siehe oben.
  • Schwarzer Tee, Eichenrinde & Walnussblätter
    Pflanzen mit Gerbstoffen sind immer dann die genau richtige Wahl, wenn es darum geht die sich zusammenziehenden, härtenden und sich vor Keimen schützenden Funktionen des Hufes zu stärken. Denn Gerbstoffe können all dies ganz wunderbar. Darum können diese auch wunderbar für die Strahl-Pflege verwendet werden, wenn dieser Strahlfäule aufweist. Hierzu machen Sie einfach einen sehr starken Tee aus schwarzem Tee, Eichenrinde und Walnussblättern, füllen diesen in eine Sprayflasche und besprühen damit den ganzen Huf, inklusive Sohle und Strahl. Bei Strahlfäule stopfen Sie direkt im Anschluss Watte in die Strahlfurche (ohne den Huf zwischendurch abzusetzen) und weichen die Watte dann mit dem Tee ein. So hält sich dieser länger an Ort und Stelle. Bei sehr weichen Hufen wäre es ideal, dieses Prozedere mindestens zwei Mal am Tag zu wiederholen.

Pflege-Phase 2: schützendes und stärkendes Öl

  • Johanniskrautöl / Rotöl
    Johanniskrautöl stärkt nicht nur die Barriere nach außen, sondern stärkt darüber hinaus auch den hufeigenen Schutz vor Keimen.
    Johanniskrautöl ist ein Auszugsöl. Das bedeutet es wird Johanniskraut in ein Trägeröl gegeben; hierfür wird meist Olivenöl genommen – zumindest wenn es ein hochwertiges Johanniskrautöl ist. Die fettlöslichen Inhaltsstoffe des Kohanniskrauts gehen dann nach und nach in das Öl über, bevor es abgeseit wird. Es wird auch Rotöl genannt, da die Zubereitung in Verbindung mit Sonnenlicht das Öl rot färbt.
  • Nachtkerzenöl
    Nachtkerzenöl hat ganz wunderbar pflegende Eigenschaften und ist darum aus der natürlichen und hochwertigen Pferdepflege kaum weg zu denken. Es kann 50 / 50 oder 30 /70 mit Johanniskrautöl vermischt werden.
  • ätherisches Salbei– und Teebaumöl
    Sie können dem Trägeröl zusätzlich noch ätherisches Salbeiöl und ätherisches Teebaumöl zugeben (je 10 Tropfen auf 50 ml), damit stärken Sie die keimabweisenden Fähigkeiten des Horns noch weiter.

 

Sie können alle Zutaten selbst herstellen. Wenn Ihnen das zu aufwendig ist, können Sie die einzelnen Zutaten auch im Krauterie Shop erwerben. Und wenn Sie gar keine Arbeit damit haben möchten (was sehr verständlich ist ;), dann können Sie die fertigen Hufwasser- bzw. Öle im Krauterie-Shop auch einfach fertig erwerben: >>Hier gehts zum Hufwasser!<<

Auf starke und strapazierfähige Hufe auch in Zeiten klimatischer Extreme! :)