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Wie es zu Irrtümern & Fehlinformationen über Kräuter kommt

Immer mal wieder spreche ich in meiner Beratungszeit mit verunsicherten Kunden, die so etwas sagen wie: „Aber ich habe im Internet gelesen, dass …!“ oder „Wieso verwenden Sie dieses Kraut, das ist doch giftig!“

Ursache sind in 90 % der Fälle Fehlinformationen oder Halbwahrheiten aus dem Internet. Die möglichen Gründe und wie man ihnen entgehen kann, habe ich in diesem Artikel zusammen gefasst.

1.) Fehlendes Grundlagenwissen über Kräuter

Wir Menschen haben uns seit der Industrialisierung zum Teil weit von der Natur und ihren Gesetzen entfernt. Dabei ist leider auch das Grundlagenwissen über Kräuter verloren gegangen. Wissen wie zB der Umstand, dass „Giftigkeit“ immer eine Frage der Menge ist und dass selbst Wasser in zu großen Mengen zu Vergiftungerscheinungen und zum Tod führen kann. Mit diesem Hintergrund wird deutlich, dass es eine klare Einteilung in „Giftig“ und „Ungiftig“ bei Pflanzen gar nicht geben kann.
Aber es fehlt auch oft an Wissen darüber, dass die Nährstoffe von Pflanzen den ganzen Körper und die Psyche beeinflussen und sich nicht auf einen einzelnen Körperbereich beschränken. Ebenso wie der Umstand, dass Pflanzen immer komplexe sind, weil sie mehr als einen Inhaltsstoff haben – ob wir das gut finden oder nicht.

2.) Übertragung vom Menschen aufs Tier

Einige Zeit lang haben Menschen ihre Erkenntnisse mit der eigenen Spezies unreflektiert auf andere Arten übertragen. Besonders in Hinsicht auf typische Hausmittelchen (aber auch auf Kräuter) ist dies zu beobachten. Leider wurde dabei überhaupt nicht in Betracht gezogen, dass sich sowohl Verdauungssystem als auch Stoffwechsel z.T. dermaßen eklatant voneinander entscheiden, dass eine Übertragung schon beinahe sträflich ist. Darum ist gerade bei Hausmitteln oder alten Traditionen a la „Das haben wir schon immer so gemacht“ äußerste Skepsis angebracht und das Mittel in Hinsicht auf die Grundpfeiler einer artgerechten Ernährung hin zu hinterfragen. Gerade Hausmittel werden in Internetforen massenhaft verbreitet und weiter empfohlen. Ein fataler Trend, wie ich finde.

3.) Hörensagen / Internetforen

„Der Onkel meines Arbeitskollegen dessen Mutter hat erzählt, dass ..“ 😉 😀 Es ist leider nicht immer so offensichtlich wie in diesem Beispiel, aber Hörensagen sollte immer hinterfragt werden. Was qualifiziert eine Person dazu, Tipps in einer bestimmten Sache zu geben (und diese auch noch im Internet zu veröffentlichen)? Hat diese Person wirklich Ahnung oder ist sie selbst einfach nur auf Hörensagen herein gefallen? Besonders skeptisch sollte man darum sein, was die Aussagen in Internetforen angeht. (Zumal viele Firmen diese Foren inzwischen bewusst nutzen, um – getarnt als normales Mitglied – ihr Produkt zu bewerben bzw. die Produkte der Konkurrenz schlecht zu machen.)

Aber auch im realen Leben werden gerne unreflektiert und ungefragt „Tipps“ verteilt, die oftmals jeglicher fachlichen Grundlage entbehren. Hier hilft nur: hinterfragen und skeptisch bleiben.

4.) Werbeversprechen

Manchmal werden Verkaufsanreize gesetzt mit Werbeversprechen, die in die Irre führen. Um die Wahrheit von Werbung zu unterscheiden, hilft leider nur eine gesunde Skepsis und ein gewisses Grundwissen in Sachen artgerechter Fütterung und Haltung der jeweiligen Tierart. Wer genau verinnerlicht hat, dass für Pferde zB nur energiearmes und rohfaserreiches Futter wirklich gesund ist, der wird auf viele Werbeversprechen gar nicht erst herein fallen. Außerdem ist es hilfreich, sich immer die Inhaltsstoffe genau anzusehen. Wo bei Pferden Melasse, Mais, Bananenchips, Weizen etc. und bei Hunden und Katzen große Mengen Getreide, sowie „tierische Nebenerzeugnisse“ drin sind, kann gar kein artgerechtes und gesundes Futtermittel sein – egal, was vorne drauf steht. (Die enthaltene Menge erfahren Sie übrigens durch die Reihenfolge: die Inhaltsstoffe müssen immer in der Reihenfolge ihres enthaltenen Prozentsatzes aufgelistet werde. Was also ganz vorne steht, ist am meisten enthalten, was ganz hinten steht, am wenigsten.)

5.) Fehlinterpretation von Studien

Besonders gefährlich ist die Verbreitung von Fehlinformationen durch Unwissen im richtigen Umgang mit Studien.
Studien können uns einen guten Hinweis geben, sie verkünden aber niemals eine alpgemeingültige Wahrheit und sind immer auf folgende Aspekte hin skeptisch zu überprüfen:

  • Wer hat die Studie bezahlt / beauftragt?
    Studien, welche von der Industrie oder bestimmten Verbänden bezahlt werden, haben natürlich nicht gerade Neutralität im Sinn, sondern möchten ein Ergebnis, welches ihnen in die Hände spielt – zumindest sollten wir dies skeptisch in Betracht ziehen.
  • Ist die Studie überhaupt repräsentativ?
    Seriös ist eine Studie erst ab ca. 100 Teilnehmern. Weiterhin müssen alle Teilnehmer unter den gleichen Bedingungen getestet werden und die gleichen Voraussetzungen haben. Und die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis durch andere Aspekte verfälscht werden kann, muss so gering wie möglich gehalten werden. Des weiteren sollte es eine Kontrollgruppe geben. Und so weiter.
  • Habe ich wirklich die ganze Studie gelesen?
    Wer eine Studie beurteilen und daraus Wissen ziehen möchte, muss die ganze Studie gelesen haben und die Erkenntnisse fachkundig auswerten können.

Ich halte mich gerne an Studien, da sie mir eine gewisse Sicherheit im Umgang mit Nahrung geben. Dennoch muss mir und allen anderen klar sein, das Wissenschaft keine Wahrheiten produziert! Wissenschaft wird von Menschen gemacht und Menschen sind fehlerhaft. Außerdem bedeutet Wissenschaft im Prinzip nichts anderes als das Aufstellen von Thesen (Behauptungen), und den anschließenden Versuch, Hinweise für oder gegen diese These zu bekommen.

6.) Individualität statt Durchschnitt

Die Wissenschaft hat einen großen Haken: Sie wirft immer viele verschiedene Individuen in eine Schublade und bildet Durchschnittswerte. Lebewesen sind aber niemals Durchschnitt, sondern immer einzigartig. So reagiert jedes Lebewesen auch ein Stück weit anders auf ein und dasselbe Futtermittel wie andere. Dies kann die Wissenschaft nicht abdecken. In diesem Punkt ist es darum wichtig, sich Experten an die Seite zu holen, die viel Erfahrung mit der Kräuter-Ernährung für Tiere haben, und sein Tier immer besonders gut zu beobachten und zu kennen. Hierzu ist auch der nächste Punkt äußerst wichtig:

7.) Verlust der Intuition

Viele Menschen sind der Natur und Ihren Grundsätzen bereits so entfremdet, dass ihnen das „Bauchgefühl“ hierfür abhanden gekommen ist. Leidet schadet diese Entfremdung vor allem dem Menschen selbst. Ich empfehle meinen Kunden in der Beratung immer im Zweifelsfalle, die eigene Intuition zu befragen und diese bewusst zu schulen. Denn kein Intellekt ist so umfassend wie die Weisheit der Intuition. Wer einen guten Kontakt zu seiner inneren Stimme hat, wird Entscheidungen viel leichter treffen können und gewinnt dadurch an Selbstbestimmung zurück. Leider stelle ich immer wieder in der Beratung fest, dass viele Menschen den Kontakt zu sich selbst total verloren haben, und darum total verunsichert in der Masse an Informationen unserer heutigen Welt herumirren. Diese Unruhe spüre ich durch das Telefon und sie tut mir sehr leid. Ich empfehle alle Menschen, sich Techniken und Werkzeuge anzuschaffen, welche dazu dienen, sich selbst und der eigenen, inneren Stimme wieder näher zu kommen wie Achtsamkeits- und Entspannungsübungen, Yoga, Qigong, Meditation, Reiki und so weiter.

8.) Der menschliche Wille und die selektive Wahrnehmung

Wir Menschen tendieren dazu, alles abzulehnen, was nicht in unser Weltbild passt. Wir haben bestimmte Glaubenssätze im Kopf, die meist aus der Kindheit stammen. Und unser Unterbewusstsein schafft uns dann eine Realität, die zu diesen Glaubenssätzen passt (self-fulfilling prophecy oder Gesetz der Resonanz). Dies geschieht durch selektive Wahrnehmung: Unser Fokus (also unsere Glaubenssätze) bestimmen, was wir überhaupt wahrnehmen. Ein unverfängliches Beispiel: Wenn wir uns ein Kind wünschen, sehen wir plötzlich überall schwangere Frauen oder Familien mit kleinen Kindern. Ist die Anzahl der Geburten plötzlich dermaßen gestiegen? Natürlich nicht! Wir fokussieren uns nur plötzlich darauf – früher haben uns Kinder nicht interessiert, darum haben wir sie auch gar nicht so wahrgenommen

 

Wie wir Irrtümer minimieren und die Verunsicherung beseitigen können

Zusammenfassend ist es hilfreich, sich ein gutes Grundwissen über die Tierart (Fütterung, Haltung, Stoffwechsel) unserer Tiere anzuschaffen und bei jeder Information, einmal kurz folgende Fragen zu checken:

  • Woher stammt die Information? (Quelle)
  • Ist diese Quelle 1. kompetent, 2. glaubhaft und 3. möglichst neutral?
  • Verfolgt die Quelle irgendeinen eigennützigen Zweck?
  • Passt die Informationen zu dem Wissen über Artgerechtes, welches ich habe?
  • Was sagt mein Bauchgefühl dazu? (nicht der Kopf)

Darüber hinaus ist es hilfreich, sich kompetente Ansprechpartner für jedes Spezialgebiet zu suchen und diese ggf zu kontaktieren, wenn Sie sich nicht ganz sicher sind.

… und einen großen Bogen um Internetforen und unseriöse Webseiten und Magazine zu machen. Denn leider findet die Verbreitung von Fehlinformationen vor allem über das Internet statt. Hier benötigen wir vor allem eine deutliche höhere Medienkompetenz, die in den Schulen bereits gelehrt werden sollte!

 

Und dennoch:

Irren ist menschlich. Und wenn eines sicher ist, dann, dass wir uns zeitlebens irren werden. Jeder von uns! Wir machen Fehler und das macht uns zu Wesen aus Fleisch und Blut. Ich persönlich habe einen sehr hohen Anspruch an mich selbst und tendiere darum dazu, mich über die Fehler und Irrtümer meines Lebens sehr zu ärgern. Doch ich weiss auch, dass das äußerst kontraproduktiv ist. Denn Fehler sind die Entwicklungsbeschleuniger unseres Lebens und darum sollten wir ihnen dankbar sein anstatt sie zu verurteilen. Drum:  Machen Sie es anders. Seien Sie sich im Klaren darüber, dass Sie immer Ihr Bestes geben! Und dass Ihr Bestes immer gut genug ist! :)

 

Herzlichst!

Ihre Herdis Hiller

 

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