Kotwasser & Durchfall als Folge des Anweidens

Kotwasser & Durchfall als Folge des Anweidens

Es ist Anweide-Zeit. Und das ist nicht nur Hufrehe-Zeit, sondern auch die Zeit von Durchfall, Kotwasser und Blähungen bei Pferden. So mancher Pferdehalter ist frustiert: Da hat er oder sie sorgfältig angeweidet und das Pferd bestmöglich auf das üppige Gras vorbereitet und dann das: Nach einer Woche ist das Pferd aufgebläht, hat Bauchschmerzen und Durchfall. Und nun? Die zusätzliche Gabe von Heu, Kräutern, begrenzte Weidezeiten oder ein Maulkorb können helfen.

Mögliche Ursachen für Durchfall & Kotwasser beim Pferd

Natürlich ist ist in erster Linie eine gut geplante und sehr langsam ausgeführte Futterumstellung von Stall-Futter auf Gras der erste Schritt im Kampf gegen Durchfall & Kotwasser beim Pferd. Bei manchen Pferden ist diese auch ausreichend und sie überstehen die Weidesaison ohne "Flatulenzen". Vielen Pferden reicht das allerdings nicht. Besonders jenen, die für viele oder gar 24 Stunden auf der Weide bleiben. Denn hier scheint des Pudels Kern nicht mehr nur allein die Futterumstellung zu sein. Diese haben die Pferde tatsächlich nach einigen Tagen "verdaut". Vielmehr scheint die Art des Grases mal wieder das Problem zu sein.

Wie im vorangegangenen Artikel über die Hufrehegefahr des Frühjahrs bereits erwähnt, ist Gras nicht gleich Gras. So unterscheidet sich das Steppengras, für das unsere Pferde geschaffen sind, elementar von dem Gras, welches sie heute bei uns vorfinden (zumindest in weiten Teilen Deutschlands). Und der Unterschied liegt ganz einfach im "Adressaten": Das heutige Gras wurde nicht für Pferde gezüchtet, sondern für Kühe. Das Ziel: Milchsteigerung. Wodurch? Durch viel Energie. Das Steppengras hingegen ist reich an Rohfaser und sehr arm an Energie. Dafür ist das Verdauungssystem der Pferde ausgelegt. Kurz: das Kühe-Gras überfordert das Verdauungssystem unserer Pferde. Die Folge: Blähungen, Durchfall, Kotwasser & Koliken.

 

Aber was ist die Alternative?

Natürlich ist "kein Gras" auch keine Lösung. Alle Pferdehalter wissen, wie gut es der Pferdeseele tut, die Nase ins Gras zu versenken und das zu tun, wozu es in menschlicher Obhut einfach viel zu selten kommt: stundenlang grasen. Viele durch Krankheit oder Haltung depressiv gewordenen Pferde, erholen sich auf der Weide wieder vollständig. Gar nicht zu sprechen von all den Sehnenproblemen, die nach einem Sommer Weide wieder vollständig vergessen sind.

Wer eine eigene Pferdeweide hat, der kann ganz einfach Abhilfe schaffen: Im Fachhandel gibt es Grassaatmischungen, die dem Steppengras zumindest annährend nachempfunden wurden. Also: Weide umpflügen, neu sähen und im nächsten Jahr keine Probleme mehr. Zumindest nicht diese Probleme. Denn vereinzelt wurde nach Einsatz dieser Pferde-Gras-Saat ein vermehrtes Aufkommen von Jakobskreuzkraut beobachtet. Ob dies nun tatsächlich an der Weidesaat lag oder eher an einer schlechten Weidepflege, bleibt fraglich.

Für die meisten von uns, ist die eigene Weide natürlich keine Alternative. Dennoch gibt es bereits einige Pensionsställe, die Ihre Weiden für Pferde umgestellt haben. Besonders gut ist eine Kombination aus Sandboden mit Heuraufen und ein wenig Gras. Denn, eine echte Hilfe gegen Durchfall & Kotwasser beim Pferd im Frühjahr ist Heu. Wer also ein Pferd hat, das zu Beginn und auch während der Weidesaison unter Durchfall, Kotwasser & Blähungen leidet, kann diesem Problem meist mit der zusätzlichen Gabe von Heu (& Stroh) in den Griff bekommen. Das trockene und strukturreiche Heu bildet eine Art Gegengewicht zum wässrigen und energiereichen Gras, und kann dessen Auswirkungen eingrenzen. Natürlich fressen unsere Pferde nicht freiwillig Heu, wenn Sie Gras vor der Nase haben. Darum bietet es sich an, die Pferde über nacht im Stall oder auf einem Sandauslauf zu lassen, wo immer Heu zur freien Verfügung vorhanden ist. Die Schwere des Durchfalls bestimmt die Menge des aufzunehmenden Heus bzw. die Länge des Aufenthalts außerhalb der Weide. Probieren Sie es aus.

Eine weitere Möglichkeit ist ein Maulkorb, welcher es den Pferden unmöglich macht zu schlingen oder zu große Menge auf einmal zu vertilgen. Schön ist diese Variante für das Tier sicher nicht. Darum sollten erst einmal alle anderen Möglichkeiten in Betracht gezogen werden.

Ist das Kind aber ersteinmal in den Brunnen gefallen, bzw. die Verdauung des Pferdes schon aus dem Gleichgewicht, können Kräuter auf sanfte und natürliche Weise regulieren. Hierzu nehmen Sie einfach adstringierend (Wasser entziehend und zusammenziehend) wirkende Kräuter mit Gerbstoffanteilen wie z.B. Brombeerblätter, Eichenrinde, Gänsefingerkraut, Frauenmantel etc. Die Gerbstoffe wirken außerdem auch bakteriostatisch. Das heißt: durch die zusammenziehende Wirkung der Kräuter wird zum einen die Magen-Darm-Schleimhaut gegen das Eindringen von Bakterien abgedichtet. Zum anderen schädigen die Gerbstoffe das Bakterium selbst. Der Vorteil von Kräutern gegenüber synthetisches Durchfallmitteln: Kräuter verhindern  nicht die Ausleitung von körperfeindlichen Stoffen, sondern besänftigen nur den Durchfall auf natürliche Weise. Eine fertige Kräuter-Mischung zur Unterstützung des Pferdes bei Durchfall & Kotwasser gibt es hier.

Für alle die selbst sammeln wollen: Vorsicht bei der Wahl der Kräuter: Je nach Gerbstoffgehalt können sowohl die Wirkung als auch die möglichen Nebenwirkungen sehr unterschiedlich ausfallen. Was alle gemeinsam haben, ist allerdings: Sobald der Durchfall vorbei ist, müssen die Kräuter sofort abgesetzt werden, sonst droht der gegenteilige Effekt! Außerdem dürfen gerbstoffhaltige Kräuter auf keinen Fall überdosiert werden. Wer es genau wissen will: In der Fachliteratur (s.u.) finden Sie sowohl Rezepte als auch Dosierungsempfehlungen - jedenfalls soweit bisher erforscht.

 

Literaturempfehlungen:

S. Dauborn: Lehrbuch für Tierheilpraktiker. 3. Auflage. 2009: Sonntag Verlag, Stuttgart.
U. Bühring: Praxislehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde 3. Auflage. 2011: Haug Verlag, Stuttgart.
V. Fintelmann und R. F. Weiss: Lehrbuch Phytotherapie. 12 Auflage. 2009: Hippokrates, Stuttgart.
J. Reichling, R. Gachnian-Mirtscheva, M. Frater-Schröder, R. Saller, M.I. Rabinovich und W. Widmaier: Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis. 2008: Springer, Heildeberg.

 

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Herdis Hiller